Politik
WENN GEWISSHEIT DEM VERSTÄNDNIS VORAUSEILT
Die Gefahr von Fanatismus

Iraner zwischen Ideologie, Pahlavismus und Krieg (Quelle: Saman Babaei )
GDN -
Die Gefahr von Fanatismus, Personenkult und der Erosion kollektiver Vernunft
Millionen gewöhnlicher Iraner sehen sich zunehmend zwischen zwei Kräften eingeklemmt: einer Macht, die das Land von innen beherrscht, und einer anderen, die versucht, seine Zukunft aus dem Ausland heraus zu gestalten.
Während ich diese Zeilen schreibe, leben die Menschen im Iran seit Wochen in einem Zustand der Unsicherheit, Isolation und Angst – gefangen in einer Realität, die weder Frieden noch offenen Krieg darstellt. Große Teile der Gesellschaft sind erschöpft, voneinander entfremdet und psychisch zermürbt durch Repression, Instabilität, wirtschaftlichen Zusammenbruch und politischen Extremismus von allen Seiten.
Am 8. und 9. Januar wurden emotionale politische Aufrufe zu Aufstand und Konfrontation ausgesprochen, noch bevor sich innerhalb der Bevölkerung irgendeine Form tatsächlicher nationaler Geschlossenheit herausgebildet hatte und ohne erkennbare Unterstützung oder Koordination innerhalb zentraler staatlicher Institutionen oder bewaffneter Kräfte. Das Ergebnis war nicht Hoffnung, sondern noch mehr Angst, noch mehr Instabilität und letztlich noch größeres Leid für gewöhnliche Iraner.
Millionen gewöhnlicher Iraner sehen sich zunehmend zwischen zwei Kräften eingeklemmt: einer Macht, die das Land von innen beherrscht, und einer anderen, die versucht, seine Zukunft aus dem Ausland heraus zu gestalten.
Während ich diese Zeilen schreibe, leben die Menschen im Iran seit Wochen in einem Zustand der Unsicherheit, Isolation und Angst – gefangen in einer Realität, die weder Frieden noch offenen Krieg darstellt. Große Teile der Gesellschaft sind erschöpft, voneinander entfremdet und psychisch zermürbt durch Repression, Instabilität, wirtschaftlichen Zusammenbruch und politischen Extremismus von allen Seiten.
Am 8. und 9. Januar wurden emotionale politische Aufrufe zu Aufstand und Konfrontation ausgesprochen, noch bevor sich innerhalb der Bevölkerung irgendeine Form tatsächlicher nationaler Geschlossenheit herausgebildet hatte und ohne erkennbare Unterstützung oder Koordination innerhalb zentraler staatlicher Institutionen oder bewaffneter Kräfte. Das Ergebnis war nicht Hoffnung, sondern noch mehr Angst, noch mehr Instabilität und letztlich noch größeres Leid für gewöhnliche Iraner.
Gleichzeitig reagiert das herrschende islamistische Machtgefüge – unter der Führung Ali Khameneis und des ihn umgebenden Sicherheitsapparates – seit Jahren auf Dissens nicht mit Dialog, Reformen oder nationaler Versöhnung, sondern mit Repression, Inhaftierung, Gewalt und Angst.
Vielleicht ist die bitterste Wahrheit überhaupt diese: Viele Iraner wissen längst nicht mehr, wo ein Ausweg liegt – sie wissen nur noch, dass der Weg, auf dem sich ihr Land derzeit befindet, die Nation langsam zerstört. Wenn Internetsperren, Unterdrückung, wirtschaftlicher Zerfall und endloser politischer Fanatismus Teil des Alltags werden, benötigen Menschen keine politische Theorie mehr, um den Schaden zu begreifen; sie spüren ihn in ihren Wohnungen, in ihren Einkommen, in ihrer Angst und in dem Schweigen, das ihnen aufgezwungen wird.
Vielleicht ist die bitterste Wahrheit überhaupt diese: Viele Iraner wissen längst nicht mehr, wo ein Ausweg liegt – sie wissen nur noch, dass der Weg, auf dem sich ihr Land derzeit befindet, die Nation langsam zerstört. Wenn Internetsperren, Unterdrückung, wirtschaftlicher Zerfall und endloser politischer Fanatismus Teil des Alltags werden, benötigen Menschen keine politische Theorie mehr, um den Schaden zu begreifen; sie spüren ihn in ihren Wohnungen, in ihren Einkommen, in ihrer Angst und in dem Schweigen, das ihnen aufgezwungen wird.
Man sollte sich vor Menschen fürchten, die wenig wissen und dennoch mit absoluter Gewissheit sprechen; vor Menschen, die Entscheidungen nicht auf Grundlage eines Verständnisses der Realität treffen, sondern auf Basis von Wünschen, Emotionen und Illusionen. Noch gefährlicher jedoch sind jene, die sich in der blinden Loyalität gegenüber einer Person, einer Bewegung oder einer Ideologie verlieren – denn in diesem Moment verliert der Mensch nicht nur seine Fähigkeit zur Analyse, sondern opfert die Wahrheit selbst dem Fanatismus.
Eine Gesellschaft, in der „Glaube“ die kritische Prüfung ersetzt, verwandelt sich rasch in ein Feld konkurrierender Gewissheiten ohne reale Grundlage. In einem solchen Klima betrachtet sich jeder als alleinigen Besitzer der Wahrheit, während jeder Andersdenkende nicht mehr als Kritiker oder politischer Gegner, sondern als Bedrohung wahrgenommen wird. Genau an diesem Punkt stirbt der Dialog – und Emotion ersetzt Vernunft.
Eine Gesellschaft, in der „Glaube“ die kritische Prüfung ersetzt, verwandelt sich rasch in ein Feld konkurrierender Gewissheiten ohne reale Grundlage. In einem solchen Klima betrachtet sich jeder als alleinigen Besitzer der Wahrheit, während jeder Andersdenkende nicht mehr als Kritiker oder politischer Gegner, sondern als Bedrohung wahrgenommen wird. Genau an diesem Punkt stirbt der Dialog – und Emotion ersetzt Vernunft.
Heute mehr denn je scheinen zahlreiche Gesellschaften zwischen zwei Formen blinder Gefolgschaft gefangen zu sein – zwei Kräfte, die unterschiedliche Gewänder tragen, sich in ihrem Kern jedoch weit ähnlicher sind, als sie selbst wahrhaben wollen. Beide präsentieren sich als Retter. Beide betrachten Widerspruch als Gefahr. Und beide versuchen, Menschen nicht zum eigenständigen Denken, sondern zum emotionalen Gehorsam zu führen.
Auf der einen Seite stehen jene, die seit Jahren ideologische Herrschaftsstrukturen und autoritäre Macht verteidigen – Systeme, deren Folgen in vielen Fällen Angst, gesellschaftliche Spaltung, Unterdrückung, Ausgrenzung und die psychische Erschöpfung der Bevölkerung waren. Diese Gruppen leugnen Fehler, rechtfertigen Krisen und akzeptieren Wahrheit nur insoweit, wie sie dem eigenen Narrativ dient.
Auf der einen Seite stehen jene, die seit Jahren ideologische Herrschaftsstrukturen und autoritäre Macht verteidigen – Systeme, deren Folgen in vielen Fällen Angst, gesellschaftliche Spaltung, Unterdrückung, Ausgrenzung und die psychische Erschöpfung der Bevölkerung waren. Diese Gruppen leugnen Fehler, rechtfertigen Krisen und akzeptieren Wahrheit nur insoweit, wie sie dem eigenen Narrativ dient.
Die Geschichte hat dieses Muster immer wieder gezeigt. Von rigiden ideologischen Staaten bis hin zu autoritären Regimen, die die Wirklichkeit umformten, um sich selbst zu erhalten, wiederholt sich derselbe Mechanismus unaufhörlich. Im nationalsozialistischen Deutschland, während der stalinistischen Sowjetära und im Verlauf der chinesischen Kulturrevolution wurde ein Prinzip besonders deutlich: Gehorsam wurde über Wahrheit gestellt, Kritiker wurden ausgelöscht, und Politik verwandelte sich in verpflichtenden Glauben.
Auf der anderen Seite stehen Gruppen, die sich selbst als Patrioten, Reformer oder Retter der Zukunft darstellen. Doch anstatt eine Kultur politischer Reife und gesellschaftlicher Verantwortung aufzubauen, führen sie die Gesellschaft erneut in die Abhängigkeit von Einzelpersonen und in die Verherrlichung politischer Figuren. Auch dies stellt eine erhebliche Gefahr dar. Eine Gesellschaft, die Institutionen, Rechtsstaatlichkeit und Verantwortlichkeit durch die Verehrung von Persönlichkeiten ersetzt, hat den Kreislauf der Geschichte nicht durchbrochen – sie hat ihm lediglich ein neues Gesicht gegeben.
Auf der anderen Seite stehen Gruppen, die sich selbst als Patrioten, Reformer oder Retter der Zukunft darstellen. Doch anstatt eine Kultur politischer Reife und gesellschaftlicher Verantwortung aufzubauen, führen sie die Gesellschaft erneut in die Abhängigkeit von Einzelpersonen und in die Verherrlichung politischer Figuren. Auch dies stellt eine erhebliche Gefahr dar. Eine Gesellschaft, die Institutionen, Rechtsstaatlichkeit und Verantwortlichkeit durch die Verehrung von Persönlichkeiten ersetzt, hat den Kreislauf der Geschichte nicht durchbrochen – sie hat ihm lediglich ein neues Gesicht gegeben.
Zahlreiche historische Erfahrungen – von den Massenbewegungen Europas im 20. Jahrhundert bis hin zu autoritären Systemen in Teilen Asiens und Lateinamerikas – zeigen immer wieder dieselbe Lehre: Wenn das Individuum die Institution ersetzt, sind Machtkonzentration, die Schwächung der Zivilgesellschaft, die Unterdrückung von Kritik und letztlich der Niedergang demokratischer Kultur oft die Folge.
Das eigentliche Problem sind nicht unterschiedliche Namen oder verschiedene Fahnen. Das eigentliche Problem besteht darin, dass beide Strömungen den Menschen letztlich vom unabhängigen Denken entfernen. Die eine tut es im Namen der Ideologie, die andere im Namen der Rettung der Nation. Das Ergebnis kann jedoch identisch sein: Menschen, die nicht mehr hinterfragen, sondern lediglich entscheiden, unter welcher Fahne sie stehen möchten.
Das eigentliche Problem sind nicht unterschiedliche Namen oder verschiedene Fahnen. Das eigentliche Problem besteht darin, dass beide Strömungen den Menschen letztlich vom unabhängigen Denken entfernen. Die eine tut es im Namen der Ideologie, die andere im Namen der Rettung der Nation. Das Ergebnis kann jedoch identisch sein: Menschen, die nicht mehr hinterfragen, sondern lediglich entscheiden, unter welcher Fahne sie stehen möchten.
Die gefährlichsten Menschen sind nicht immer die Unwissendsten. Manchmal sind die gefährlichsten jene, die von absoluter Gewissheit erfüllt sind – Menschen, die überzeugt sind, die vollständige Wahrheit zu besitzen und jeden Andersdenkenden entweder für einen Verräter oder einen Narren halten. Die Geschichte hat den Preis solcher Gewissheit mit Blut geschrieben.
Von politischen Säuberungen und Schauprozessen bis hin zu Bürgerkriegen und umfassender Repression hat sich stets dasselbe Muster wiederholt: Dort, wo kritisches Hinterfragen mit Verrat gleichgesetzt wird, beginnt der moralische und gesellschaftliche Verfall.
Von politischen Säuberungen und Schauprozessen bis hin zu Bürgerkriegen und umfassender Repression hat sich stets dasselbe Muster wiederholt: Dort, wo kritisches Hinterfragen mit Verrat gleichgesetzt wird, beginnt der moralische und gesellschaftliche Verfall.
Das Blut, das vergossen wird, der Hass, der sich täglich vertieft, und der schleichende Zusammenbruch von Dialog und Rationalität innerhalb einer Gesellschaft sind niemals ausschließlich das Produkt einer einzigen Seite. Wenn Macht die Wahrheit dem eigenen Machterhalt opfert, trägt sie Schuld. Wenn jedoch auch die Gegenseite, anstatt unabhängiges Denken zu stärken, erneut eine Kultur der Heldenverehrung und emotionalen Abhängigkeit reproduziert, trägt auch sie Verantwortung.
Verrat besteht nicht nur in direkter Unterdrückung. Verrat kann auch bedeuten, eine Nation erneut in den Kreislauf aus Illusion, Fanatismus und Personenverehrung zurückzuführen.
Verrat besteht nicht nur in direkter Unterdrückung. Verrat kann auch bedeuten, eine Nation erneut in den Kreislauf aus Illusion, Fanatismus und Personenverehrung zurückzuführen.
Kein Land wurde jemals durch die Sakralisierung einzelner Menschen gerettet. Keine Gesellschaft hat Freiheit durch blinden Gehorsam erreicht. Im Gegenteil: Überall dort, wo Menschen Angst vor Kritik entwickelten oder Kritik durch Feindseligkeit ersetzten, begann der langsame Prozess des Niedergangs.
Die Rettung einer Nation beginnt erst dann, wenn Menschen begreifen, dass kein Individuum unantastbar ist, keine Macht über Kritik steht und keine Fahne jemals die Vernunft ersetzen darf. Eine Gesellschaft, deren Menschen die Fähigkeit zum unabhängigen Denken verlieren, wird früher oder später nicht nur Wahrheit und Gerechtigkeit verlieren, sondern auch ihre Zukunft.
Dieser Kommentar von Saman Babaei versteht sich als klare und eindeutige Positionierung: Die Kritik an Macht, politischen Bewegungen und einflussreichen Persönlichkeiten ist kein Angriff auf die Gesellschaft – sie ist eine notwendige Voraussetzung politischer Reife. Jede Gesellschaft, die weiterhin in Personenkult, der Eliminierung Andersdenkender und emotional gesteuerter Politik gefangen bleibt, wird erhebliche Schwierigkeiten haben, eine nachhaltige Demokratie aufzubauen.
Die Rettung einer Nation beginnt erst dann, wenn Menschen begreifen, dass kein Individuum unantastbar ist, keine Macht über Kritik steht und keine Fahne jemals die Vernunft ersetzen darf. Eine Gesellschaft, deren Menschen die Fähigkeit zum unabhängigen Denken verlieren, wird früher oder später nicht nur Wahrheit und Gerechtigkeit verlieren, sondern auch ihre Zukunft.
Dieser Kommentar von Saman Babaei versteht sich als klare und eindeutige Positionierung: Die Kritik an Macht, politischen Bewegungen und einflussreichen Persönlichkeiten ist kein Angriff auf die Gesellschaft – sie ist eine notwendige Voraussetzung politischer Reife. Jede Gesellschaft, die weiterhin in Personenkult, der Eliminierung Andersdenkender und emotional gesteuerter Politik gefangen bleibt, wird erhebliche Schwierigkeiten haben, eine nachhaltige Demokratie aufzubauen.
Das Ziel ist ebenso einfach wie essenziell: der Aufbau einer Gesellschaft, in der Menschen ihre Würde durch Bewusstsein, Verantwortung und Solidarität verteidigen – einer Gesellschaft, die nicht von Manipulation und Parolen geleitet wird, sondern von Verständnis, Zusammenarbeit und unabhängigem Denken.
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